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Der verdoppelte Mord

Ein Mensch, der aus Afghanistan geflüchtet ist, tötet in Aschaffenburg ein kleines Kind und einen Mann.

Die einzig angemessene Reaktion auf dieses schier unfassbar leidvolle Geschehen ist:  – – Stille. Nur sie kann die Größe haben, die Arme zu öffnen, wo kein Trost sein will, – die Größe, sich selbst und seine Interessen bedingungslos hintanzustellen.

Und wenn man unbedingt dennoch etwas dazu sagen muss, wäre die einzig angemessene Form, um Worte ringend, den Tränen nah, den Versuch zu machen, tiefes Mitgefühl zu fassen zu bekommen und zu halten.

Was aber geschieht ist die Einlassung von Herrn Merz, das Maß sei voll, es dürfe niemand mehr ohne Papier ins Land gelassen werden, ein Kompromiss sei für ihn in einer zukünftigen Regierung in dieser Frage nicht möglich.

Was ebenfalls geschieht, ist das Politiker:innen verschiedener Parteien sich genötigt sehen, sich ebenfalls zu äußern. Die meisten auf mehr oder weniger scharfe Art in der von Herrn Merz eingeschlagenen Richtung. Und Politiker:innen der AFD sehen sich eingeladen zur Kooperation, – eine Einladung, die sie gerne annehmen, indem sie sie aussprechen. Die Brandmauer steht lichterloh in Flammen.

Die Opfer aber verdorren dabei zu einem bloßen – hinterrücks willkommenen – Anlass zu selbstherrlicher Rede mit uneinlösbaren politischen Wahlkampf-Heilsversprechen.

Als Menschen müssen sie dabei ein zweites Mal sterben.

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