Trotzkopfdumm

Martin Gehrigk

40. Kapitel

Mode

Die beiden kantigen Security-Männer stehen links und rechts von der Eingangstür zum Barbershop. Sie checken die enge Gasse auf und ab. Dann nicken sie ihm zu. Niemand zu sehen. Siegmund steigt aus und eilt zu ihnen. Als er durch die Tür tritt, nimmt er die Hoody-Kapuze und die Sonnenbrille ab. Yılmaz eilt ihm entgegen. Zwei Hände klatschen mit sich kreuzenden Daumen ineinander. „Hey! `sch dachte schon, kommst du nisch.“ Siegmund scant den Laden. Er ist der einzige Gast. Auf Yilmaz ist Verlass. „Wie immer? Seiten rasiert? Gel auf Kopf?“ Kleine Pointen-Pause. Dann:  „So Nazi-Look?“ Die beiden Männer schleudern ein knatterndes Männerlachen in den Raum. „Is in. Sogar bei meinen Leuten in Izmir.“ Wieder das Lachknattern.
Yılmaz legt die Hände auf Siegmunds Schultern und spricht dessen Spiegelbild an. „Aber, ma ehrlsch. Dreitagebart ist out. Is irngtwie Weischei. Muss du wachsen lassen. Is – wie heißt der? Ah ja, Lindner. Voll out. Brauchßu rischtsch Männerbart. Lass wachsen.“ Ulrich lächelt. „Vielleicht nach der Wahl.“ „Dauert ßu lang“, mault Yilmaz. Ulrich zwinkert. „Kommt früher, als du denkst. Wart`s ab.“
Als er fertig ist, steht Siegmund auf, schaut ein letztes Mal in den Spiegel und nickt zufrieden. Er stülpt die Kapuze auf den Kopf und setzt die Sonnenbrille auf. Beim Gehen dreht er sich nochmal um: „Weißt ja …“, und legt den Zeigefinger an die Lippen. Yilmaz hebt beide Hände. „Klar. `Sch schweige wie Grab. Wenn `sch erzähl, was `sch hier alles mitkriege, bin `sch morgen pleite.“ Ein letztes Knatterlachen, dann schlüpft Siegmund wieder aus dem Laden.

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