Manchmal laufe ich herum. Es hilft beim Einfangen von Gedanken. Und beim Loslassen. Am Fenster fällt mein Blick nach draußen. Ich sehe, dass sich 5/6 Pferde an einem Gatter versammelt haben. Ich möchte den Grund wissen und gehe hinaus auf den Balkon. Ein paar Meter vor dem Gatter steht ein Hänger-Gespann. Eine Frau führt gerade ein Pferd hinein. Nach einigen Verrichtungen schließt sie die Klappe, geht zum Auto und steigt ein.

Langsam setzt sich das Gespann in Bewegung und fährt in einem bedächtigen Bogen unter meinem Balkon entlang davon.

Eine merkwürdige Stille breitet sich aus. Die Pferde stehen ruhig da. Zwei von ihnen heben manchmal den Kopf und senken ihn anschließend tief hinab. Dabei scharren sie bedächtig mit einem Vorderhuf.

Erst eine sehr lange Weile später verteilen sie sich wieder.

Wahrscheinlich gibt es dafür eine spröde verhaltensbiologische Erklärung. Ich könnte das googlen. Aber ich lass es. Ich bleibe lieber bei meiner: Abschiedsschmerz.

Morgen fahre auch ich ab.

Am Morgen nach dem abendlichen Anruf

Nun also wieder Abschied
Einer, der die Nacht zerfetzt
Die Seelenhaut verätzt
Gedanklichkeit zersetzt
Die feine Schicht einritzt
Die den Augapfel schützt
Mit wirrem wildem Fragenwahn
Aufpumpt das Hirn
Zum Bersten leer
Die Stirn
erhitzt.

Wer ist seit wann wie warum schuld?
Drängend waidwunde Ungeduld
Ver-rückt
Aus der Zeit gedrückt
Alles wie immer nicht
Verstanden gesagt
Gemeint
Nein verjat
Ja verneint
Los, Zeit, mach hin!
Das Schlachtgetöse ist doch jetzt verklungen
Schenk mir nun auch ein inneres Verstummen
Dass eine weitere Narbe werde
Was Wunde ist.