Tag 75

Während ich ein paar Sachen zusammenkrame, um die kleine Einkaufstour zu machen, vergesse ich dauernd irgendwas, weiß nicht mehr, warum ich zum fünften Mal die Treppe hochgegangen bin, gehe wieder runter, unten fällt’s mir ein, gehe wieder hoch …
Ich bin in Gedanken. Seitdem ich dem Igel begegnet bin, geht er mir nicht mehr aus dem Sinn.
Ich möchte gerne eine kleine Geschichte schreiben mit ihm als Hauptfigur. Aber dann verwerfe ich den Gedanken wieder. Er kommt mir kitschig vor. Und dann kommt er wieder und dann verwerfe ich ihn wieder …
Heute Morgen beim Zusammenkramen habe ich plötzlich eine Idee, die die Geschichte vielleicht doch weiterwachsen lassen könnte. Beseelt hänge ich ihr nach.
Und tapse nachdenklich und vergesslich hin und her.
Die Liebste kommt nach der morgendlichen Meditation die Treppe runter. Ich schaue ihr entgegen. „Und?“, fragt sie, „hast du was gemerkt?“
Ich stutze.
Sie hilft: „Ich hab dir doch gerade mein ganzes Wohlwollen geschickt!“
„Oh ja“, rufe ich – und in diesem Moment verstehe ich viel mehr, als sie ahnt – „ich habe es tatsächlich gemerkt. Ich wusste nur nicht, dass es von dir kommt.“
Wie immer in solchen Momenten schleicht mir ein Lächeln ins Gesicht. Es will ironisch aussehen. Weil ich an so was ja eigentlich nicht glaube. Aber es gelingt ihm nicht.

Tag 67.1

Ich phantasiere einen Dialog am Gemüsestand.
„Ich hätte gern eine reife Avocado.“
„Tut mir leid. Unsere haben nur mittlere Reife.“

Tag 67.2

Er hatte von Anfang an seine Pfötchen im Spiel. Jede Wette. Schon als er dafür sorgte, dass die Online-Buchung von Öffi-Tickets nicht funktionierte. Und schließlich, als ich dank seines telepathischen Einflusses den Mund-/Nasenschutz vergaß und ich nicht in den Zug steigen konnte, was mir zum Glück einfiel, bevor ich ein Ticket am Automaten ziehen konnte.

So verzichte ich auf den Spontanbesuch bei Freunden, und drehe stattdessen, wie oft in letzter Zeit ein paar Runden durch Sträßchen, die ich noch nicht kenne. Auf einem davon, zum Glück einem für Autos gesperrten, hoppelt plötzlich er, mitten auf dem Weg vor mir her. Wie die Hinterbeine lustwibbelig hoppeln und dabei den Hintern hochwerfen. Erst will ich glauben, es sei ein Vogel. Aber als ich da bin, sehe ich, es ist er: „Swinegel“. Alias „Mecki“.

igel mitten auf dem Weg