Neu auf meinem Youtube-Kanal „TROTZKOPFDUMM“: Ein brandneuer Song. „Kleine Meditation“. Er ist, wie er heißt. Und ein kleiner Buddha kommt auch drin vor. Der heimliche Star ist ein Lichtobjekt von Fabian Thiele („NONEON“, Frankfurt a.M.)

Kleine Meditation

Was ein Moment ohne „Und dann“ wohl wär.
Und was ein Augenblick ohne das Hinterher.
Was wär ein Jetzt ohne das Gleich?
Ein Wiegen, ohne geeicht
Zu sein? Vielleicht

Ein Ziel, erfolgreich unerreicht
Ein Weg, der mit leichtem Sinn vom richtigen Kurs abweicht, vielleicht
Ein Schilf, die Krone eines Baums
Ein Baby, das Öffnen eines unbekannten Raums.

Der Kopf des Ackergauls beim Schreiten.
Ein einfach Da-sein als sanft wogendes Gleiten.

Du schaust nach innen und außen zugleich.
Mag sein: Ein Finden, ein Finden vielleicht.
Vielleicht auch nicht.
Die Welt wird licht.
Ein Augenblick, in dem du nichts im Schilde führst
Sondern einfach nur zärtlich
Die Zeit am Arm berührst.

Tag 75

Während ich ein paar Sachen zusammenkrame, um die kleine Einkaufstour zu machen, vergesse ich dauernd irgendwas, weiß nicht mehr, warum ich zum fünften Mal die Treppe hochgegangen bin, gehe wieder runter, unten fällt’s mir ein, gehe wieder hoch …
Ich bin in Gedanken. Seitdem ich dem Igel begegnet bin, geht er mir nicht mehr aus dem Sinn.
Ich möchte gerne eine kleine Geschichte schreiben mit ihm als Hauptfigur. Aber dann verwerfe ich den Gedanken wieder. Er kommt mir kitschig vor. Und dann kommt er wieder und dann verwerfe ich ihn wieder …
Heute Morgen beim Zusammenkramen habe ich plötzlich eine Idee, die die Geschichte vielleicht doch weiterwachsen lassen könnte. Beseelt hänge ich ihr nach.
Und tapse nachdenklich und vergesslich hin und her.
Die Liebste kommt nach der morgendlichen Meditation die Treppe runter. Ich schaue ihr entgegen. „Und?“, fragt sie, „hast du was gemerkt?“
Ich stutze.
Sie hilft: „Ich hab dir doch gerade mein ganzes Wohlwollen geschickt!“
„Oh ja“, rufe ich – und in diesem Moment verstehe ich viel mehr, als sie ahnt – „ich habe es tatsächlich gemerkt. Ich wusste nur nicht, dass es von dir kommt.“
Wie immer in solchen Momenten schleicht mir ein Lächeln ins Gesicht. Es will ironisch aussehen. Weil ich an so was ja eigentlich nicht glaube. Aber es gelingt ihm nicht.